Isla de Coco bei Costa Rica

Im Pazifik liegt die Kokosinsel als Außenposten der Natur

26.10.2009 Constanze Ließ

An wenigen Orten der Welt konnte sich die Natur völlig unbeeinflusst vom Menschen entwickeln. Die Isla de Coco vor Costa Rica bewahrt noch immer ihre Einzigartigkeit.

Die großen Ozeane der Erde werden von mittelozeanischen Rücken durchbrochen. Hohe vulkanische Aktivität lässt diese unterseeischen Gebirge wachsen. An manchen Stellen durchbrechen die von Lava und Gesteinen geformten Berge die Wasseroberfläche und bilden weit abgelegene Inseln. So entstand auch die zu Costa Rica gehörende Kokosinsel, die als einer der letzten großen Naturschätze der Erde im Ostpazifik liegt.

Die Isla de Coco - in Naturparadies mitten im Pazifik

Vor 1,91 bis 2,44 Millionen Jahren entstand die geheimnisvolle Insel, die von mehreren weiteren Felsen und kleinen Inseln umgeben ist, aufgrund vulkanischer Aktivität auf der Kokosplatte. Der höchste Punkt der Kokosinsel – der Cerro de las Iglesias – erhebt sich bis zu 634 Meter über den Meeresspiegel. Insgesamt nimmt die Insel eine Fläche von 24 Quadratkilometern ein. Der Durchmesser von Nord nach Süd beträgt 7,6 Kilometer, die Breite 4,4 Kilometer.

Die Isla de Coco wurde 1869 vom mittelamerikanischen Land Costa Rica angeeignet. Zuvor gehörte die Insel lediglich sich selbst. Von der Halbinsel Nicoya aus müssen 532 Kilometer blauer Ozean überquert werden, um das abgeschiedene und unbewohnte Eiland zu erreichen.

Schatzsucher und Piraten auf der Kokosinsel

Der spanische Navigator Johan Cabeças soll die Insel 1526 entdeckt haben. In diesem Fall war es eine wirkliche Entdeckung und keine reine Eroberung für die Europäer, denn das Eiland war bis dahin komplett unbewohnt gewesen. Er nannte das kleine Stück Land „Isla de Coques“. Während der folgenden beiden Jahrhunderte wurde der entlegene Felsbrocken zwar kartographiert, geriet aber nach und nach in Vergessenheit für die erobernden und kolonisierenden Spanier. Dafür aber erkannten ab dem siebzehnten Jahrhundert englische Piraten die strategisch günstige Lage der regierungslosen Kokosinsel und nutzten sie als Rastplatz und Ausgangshafen für ihre Beutezüge. Francis Drake und Walter Raleigh gehörten zu jenen später viel gerühmten Freibeutern, die gegen die spanische Großmacht in Südamerika ankämpften.

Eine ganze Reihe von Legenden rankt sich um Schätze, die von erfolgreichen Kapitänen auf der Kokosinsel versteckt worden sein sollen. Der letzte und bekannteste ist der Tesoro de Lima („Schatz von Lima“) von 1820, bestehend aus 24 Fässern voll Schätzen aus der Kathedrale von Lima in Peru. Hunderte Expeditionen von Schatzsuchern zur Insel blieben ohne nennenswerten Erfolg.

Nationalpark Isla de Coco – UNESCO Weltnaturerbe

In der Abgeschiedenheit des Pazifiks haben sich auf der Isla de Coco einzigartige Spezies entwickeln können. Die Flora und Fauna ist mit der von Zentral- und Südamerika nah verwandt, doch sind zahlreiche Tier- und Pflanzenarten auf der Insel endemisch, kommen also ausschließlich dort vor.

Im Jahr 1978 wurde unter Einbeziehung der marinen Fläche in 22 Kilometern Entfernung rund um die Insel der Nationalpark Isla de Coco gegründet („Area de conservación marina Isla de Coco“), seit 1997 zählt das Gebiet zum UNESCO Welterbe.

Im dichten, immergrünen Nebelwald, der die Insel bedeckt, wurden allein 235 Spezies von Pflanzen und zirka 90 Arten von Pilzen identifiziert. Viele der Pflanzen, darunter allein 17 Farne, sind endemisch.

Die Fauna der Insel kennt derzeit etwa 360 Arten von Insekten und 100 Vögel, von denen 13 Standvögel sind und alle anderen Zugvögel, die nur saisonal auf die Isla de Coco kommen. Die endemische Finkenart der Kokosinsel zählt mit den dreizehn Arten der Galapagosinseln zu den bekannten Darwinfinken. Eine Eidechse und ein Salamander sind die einzigen bekannten Reptilien auf Kokos, beide sind endemisch. Die fünf landlebigen Säugetiere, die heute auf der Insel verbreitet sind, wurden alle in den letzten zweihundert Jahren vom Menschen eingeschleppt. Vor allem Schweine und Ratten sind eine ernste Gefahr für das ökologische Gleichgewicht der Insel, ihre Bestände müssen regelmäßig kontrolliert und dezimiert werden.

Autobahn für Hammerhaie - Die Meeresfauna der Isla de Coco im Pazifik

Ein komplexes System ozeanischer Ströme bestimmt das marine Leben der Kokosinsel. Die biologische Vielfalt des Meeres gehört zu den differenziertesten im gesamten tropischen Pazifik. 32 Spezies von Korallen und 600 Molusken besiedeln die vulkanischen Gesteine. Um die 300 Arten von Fischen bevölkern Felshöhlen, Riffkanten und das offene Meer, darunter Gelbflossen-Thunfische, Weißspitzenriffhaie und Mantarochen. Von besonderer Schönheit sind die riesigen Schulen von Hammerhaien. Solche Gruppen von mehreren hundert dieser sonst eher einzelgängerischen Tiere, die in seltsamer Eintracht mit der Strömung treiben, gibt es nur an sehr wenigen Orten auf der Welt. Leider werden aufgrund illegaler Fischerei im Nationalpark Isla de Coco die Haie wie überall in Costa Rica immer seltener.

Tauchen bei der Isla de Coco

Vor allem für so manchen Taucher gehört eine Reise zur Isla de Coco zu den ganz großen Träumen. Ein nicht unerheblicher finanzieller Aufwand ist aber in jedem Fall zu kalkulieren. Verschiedene Reisebüros in Europa und Costa Rica organisieren Tauchreisen zur Kokosinsel, je nach Komfort auf dem entsprechenden Schiff ist aber mit einem Minimum von 2.500 Euro für eine achttätige Ausfahrt zu rechnen, Flug nach Costa Rica und Nationalparkgebühren von 25 US-Dollar pro Tag nicht mitgerechnet. In den Monaten Mai bis September ist die Chance auf Haibeobachtungen am größten, Tauchen aber ist ganzjährig möglich. Die Sichtweiten betragen ganzjährig 10 bis 25 Meter, die Wassertemperatur liegt bei 22 bis 28 Grad Celsius.

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Quellen und Links

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Lage der Isla de Coco vor Costa Rica im Pazifik, Fundación Amigos de la Isla de Coco Lage der Isla de Coco vor Costa Rica im Pazifik